Februar 2014

„Der Deutsche Fernsehpreis war längst tot“

Solange Redakteure, Produzenten und andere in den Firmen oder Projekten Involvierte über eine Preisvergabe bestimmen, kann dieser Preis keine tatsächliche Würdigung für vollbrachte und außergewöhnliche Leistungen darstellen, da zu viele Interessenwahrnehmungen bei der Preisvergabe eine Rolle spielen.

Dies ist absolut menschlich und es geht hier auch nicht, um eine abweisende Haltung gegenüber Redakteuren, Produzenten oder anderen wichtigen Entscheidungsträgern im Filmgeschäft, denn wir brauchen sie und sind froh, dass es sie gibt. Wie sonst sollten wir unsere Projekte stemmen, ohne einen starken Partner?

Man muss sich dessen bewusst sein, dass die Interessen Einzelner, einer neutralen Beurteilung im Wege stehen und dies gilt es weitestgehend zu verhindern, möchte man einen ehrlichen Preis für Filmschaffende ins Leben rufen.

Vielleicht müsste ein neues, unabhängigeres Konzept erarbeitet werden. Die Finanziers dürften keinerlei Einfluss auf die Wahl der Jury und die Preisvergabe haben, wenn sie ernsthaft an dem Erfolg, der Neutralität und somit auch der Seriosität der Preisvergabe interessiert sind.

Natürlich braucht man Filmkundige Fachkräfte in der Jury, wie z.B. Filmschaffende, die ihr Handwerk beherrschen und Filmkritiker welche die nominierten Leistungen aus ihren ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilen.

Aber machen wir nicht auch Filme für Zuschauer, die nicht unbedingt ein fundiertes Filmwissen mit sich bringen, die aber unsere Filmwirtschaftlichkeit ausmachen und deren Empfinden und Zeitgeist über Erfolg und Misserfolg eines Filmes und somit oftmals auch über deren Qualität entscheidet und sollte ein Film nicht sowohl künstlerisch, aber im besten Falle auch zugleich erfolgreich sein? Dann sollten wir darüber nachdenken zu den zuvor genannten Jurymitgliedern auch Zuschauer mit einzubeziehen, ohne daraus eine „BRAVO-Wahl“ zu machen.

Eine Jury, die zu gleichen Teilen aus Filmschaffenden aller Bereiche, Filmkritikern, Analysten und Zuschauern besteht. Eine Jury, deren Mitglieder aus einem Fundus von Menschen ausgelost wird, die sich für diese Aufgabe bewerben dürfen und im Gegenzug versichern, weder direkt, noch indirekt im letzten Jahr (oder einem längeren Zeitraum) in die nominierten Filmprojekte oder mit den damit beauftragten Produktionsfirmen involviert zu sein. Eine Jury, die erst nach der Bekanntgabe der Nominierungen aus diesem Fundus von Bewerbern ausgelost wird, um eine direkte Verbindung und persönliche Interessenwahrnehmung soweit möglich zu verhindern und eine Jury deren Mitglieder jährlich neu gesetzt werden und in der niemand einen festen Sitz hat und eine Wiederwahl als Jurymitglied erst nach einer ein- oder zweijährigen Pause wieder möglich ist.

Natürlich wird man die Interessen des Einzelnen niemals gänzlich vermeiden können, auch oder gerade nicht in einer Jury. Aber wir könnten einen neuen Versuch starten, es zu verbessern und einen mutigen Schritt nach vorne wagen, der uns Filmschaffende weniger Einflussmöglichkeiten in die Preisvergabe bietet, dafür aber in weit höherem Maße als zuvor sicherstellt, dass es sich bei den Preisen um eine echte und ehrliche Würdigung für die Qualität einer erbrachten Leistung im Filmgeschäft handelt.

Wäre es nicht ein Ansporn, um die Qualität unserer Projekte noch weiter zu steigern und würden wir uns nicht selbst auch mehr freuen, wenn wir wüssten, dass wir uns diesen Preis auch tatsächlich verdient haben?Deutscher Fernsehpreis 2014